Keyword Experiment “seoriff” auf der SMX: Ergebnisse

Auf der SMX in München habe ich in meinem Vortrag zur Keywordrecherche ein kurzes Experiment gemacht. Hier möchte ich die Aufgabenstellung und die Ergebnisse zeigen.

Vorweg die für mich persönlich neuen Erkenntnisse, die ich so nicht erwartet hab:

  • Die deutlichen Unterschiede für neue Suchtreffer in den Suchergebnissen zwischen mobile und Desktop innerhalb eines Zeitfensters von ca. einer Stunde
  • Die Tatsache, dass mein Vertrauen in Google Alert deutlich geschrumpft ist

Aus den Daten kann man zudem folgende Schlüsse ziehen:

  • Alle Tweets werden innerhalb von Minuten von Google erfasst, aber nur angezeigt, wenn ein Schwellenwert der Relevanz überschritten wird
  • Bilder von Tweets sind nach etwa 5-10 Tagen in der Bildersuche enthalten
  • Nach etwa 8-14 Tagen werden auch Bilder der Profile sichtbar, die die Tweets enthalten, und den Tags aller Tweets des gecrawlten Profils zugeordnet
  • Bilder werden nur Begriffen des entsprechenden Tweets zugeordnet
  • Twitter nutzt “infinite scroll”, Google kann erst durch scrollen sichtbaren Inhalte nicht indexieren, da Twitter diese Inhalte nicht indexierbar macht gemäß der Empfehlung von Google

Ziel des Experiments war es, zu prüfen, wie sich die Suchergebnisse verändern bei einer relativ kleinen Aktion bezüglich eines nicht gesuchten Begriffs. Hierbei lag die Initiative erwartungsgemäß rein auf den sozialen Medien, wobei es sich stark auf Twitter beschränkte.

Ausgangssituation

Der Begriff „seoriff“ hat laut Google Keyword Planner weltweit kein Suchvolumen. Daran hat auch das kleine Experiment nichts geändert. Es kann allerdings sein, dass es mehr Zeit benötigt, damit das geringe Suchvolumen erzeugt durch das Experiment im Google Keyword Planner sichtbar wird.

search_volume

In der Desktop-Suche zeigte Google die Suchergebnisse für den Begriff „sheriff“ an (siehe Bild). Um die Ergebnisse für „seoriff“ zu erhalten, musste man explizit auf den Link oben in den Suchergebnissen klicken.

seoriff_org

Auch dies hat sich durch das Experiment nicht geändert. Hierbei muss man erwähnen, dass die Suche stets anonymisiert, also ohne Cookies und mit unterschiedlichen IP Adressen durchgeführt wurde. Die Suche nach „seoriff“ selbst enthielt 277 Suchergebnisse vor dem Experiment:

SMX Google Treffer 277

 Seit Anfang 2015 gibt es wieder eine Vereinbarung zwischen Twitter und Google, die es Google erlaubt, Tweets in den Suchergebnissen anzuzeigen . Es war zu erwarten, dass die Zuhörer vorwiegend Twitter zur Verbreitung des Tags #seoriff verwenden würden.

Die mobile Suche unterschied sich von der Desktop-Suche dahingehend, dass Google nicht die Suchergebnisse für den Begriff „sheriff“ ausgab, sondern die für den Begriff „seoriff“. Auf „sheriff“ wurde dennoch hingewiesen:

SMX Google Mobile

Die ersten 50 Suchergebnisse enthielten keine Links, die mit dem Thema SEO in Verbindung gebracht werden konnten.

Das Experiment startet

Nachdem ich kurz vor dem Beginn meiner Session dazu aufgerufen habe, Bilder und Posts mit dem Tag „seoriff“ zu verbreiten, wurden in kurzer Zeit insgesamt 12 Tweets gepostet, die 11 Retweets generierten, ein Instagram Post und ein Video-Post auf Periscope.tv. Auf Facebook wurde nichts dazu gepostet.

smx_tweet

Nach nur wenigen Minuten stieg die Zahl der Suchergebnisse bei Google von 277 auf 282 an (freundlicherweise haben meine Kollegen in unserem Büro die Suchergebnisse während meines Vortrags überwacht).

seoriff_282_results

Die Suchergebnisse selbst änderten sich aber zunächst nicht. Auf mobilen Geräten gab es zunächst auch keine Veränderung. Dort wird die Zahl der Suchergebnisse nicht angezeigt. Grundsätzlich unterscheidet Google zwischen „seoriff“ und „#seoriff“. Sucht man nach Tags, werden auch gezielt nur solche Inhalte ausgegeben.

Man kann davon ausgehen, dass Google die Tweets zu diesem Begriff zwar kannte, aber nicht anzeigte. Suchte man zu dem Zeitpunkt nach #SMXMuenchen“, konnte man Tweets zu diesem Begriff in den Suchergebnissen sehen. Hier kann man klar erkennen, dass die Zahl der Tweets mit dem Begriff bzw. Tag nicht ausreichten, um in den Suchergebnissen zu erscheinen.

Die ersten 24 Stunden

Gegen 17h15 am selben Tag gab es eine Änderung, die vor allem die mobile Suche betraf. Auf Platz 1 wurde ein Suchergebnis der Website trend247.net angezeigt. Man kann in den Suchergebnissen schon erkennen, dass die Zuordnung zu #SMXMuenchen vorgenommen wurde.

smx_mobile_trend247

Das Ergebnis blieb auch für etwa eine halbe Stunde unverändert auf Platz 1. In der Desktop-Suche erschien derselbe Treffer aber von Beginn an auf der zweiten Suchergebnisseite, also deutlich weiter hinten als auf dem mobilen Gerät. Es gab also einen deutlichen Unterschied zwischen mobilen Geräten und der Desktop-Suche!

Man kann auch klar erkennen, dass es einen deutlichen Unterschied gibt zwischen der Suche nach „seoriff“ und „#seoriff“. Suchte man nach #seoriff, erschien der Treffer von trend247.net auch in der Desktop-Suche dort auf Platz 1. In der mobilen Suche funktionierte das aber auch mit „seoriff“.

Nur ca. 30 Minuten später fällt die Platzierung auf dem mobilen Gerät für „seoriff“ auf Platz 5. Die deutlich bessere Platzierung im Gegensatz zur Desktop-Suche hat eine kurze Halbwertszeit. Nach ca. einer Stunde fällt die Platzierung dann ebenfalls auf die zweite Seite. Das Suchergebnis auf dem mobilen Gerät und der Desktop-Suche haben sich angeglichen. Der Unterschied zeigt sich also nur für eine kurze Zeit.

Gegen 7:00 am folgenden Tag ist ein zweites Suchergebnis in der mobilen Suche enthalten von trendigdeutschland.com. Dieses ist auch in der Desktop-Suche zu finden, auch hier ein ähnliches Phänomen. Zunächst ist der Treffer in der mobilen Suche auf der ersten Seite, rutscht dann nach einer knappen Stunde in den Ergebnissen deutlich nach hinten. Dies wie bisher bezogen auf die Suche nach „seoriff“.

smx_mobile_trendingdeutschland

Sucht man nach #seoriff, konnte man die beiden Treffer von trend247.net und trendingdeutschland.com in den Suchergebnissen finden, sowohl mobil, als auch in der Desktop-Suche.

Die folgenden Tage

Die Zahl der Suchtreffer in den Suchergebnissen stieg weiter und zeigt 14 Tage nach dem Vortrag 302 Suchtreffer. Die Zahl ist über die Zeit kontinuierlich gestiegen. Nach wie vor werden aber nur wenige der neuen Suchtreffer auch wirklich angezeigt. Für “#seoriff” zeigt Google insgesamt 18 Suchergebnisse an. Vor dem Experiment gab es hierzu keinen Treffer. Man bekommt also zum dem Tag “#seoriff” deutlich mehr Treffer angezeigt, als zu der Suche nach dem Begriff “seoriff”.

Die Bildersuche

Tatsächlich erschien nach ein paar Tagen ein Bild eines Tweets in der Bildersuche von Google auf. Am 22. März, also 5 Tage nach dem Vortrag, konnte man in der Google Bildersuche folgendes sehen:

google_image_search

Hier zeigt sich bei der Suche nach #seoriff ein weiteres Phänomen: Wie in der Desktop-Suche erhält man bei der Bildersuche deutlich mehr Suchergebnisse. Nach 14 Tagen kann man auch Bilder sehen, die nicht mit dem Tag #seoriff direkt in Verbindung stehen.

google_image_search2

Schaut man sich die Bilder und deren Quelle an, erkennt man deutlich: Die Bilder aus den Tweets sind von twitter.com aus den Tweets indexiert worden. Diese sind zuerst in der Bildersuche zu finden. Die anderen Bilder stammen aus den Quellen von trend247.net aber auch von twitter.com, und zwar von den Profilen derjenigen, die zu #seoriff etwas gepostet haben. Hier ein Beispiel:

google_image_search3

Das obere Bild war am 24. März in der Bildersuche zu finden, also 7 Tage nach der Veröffentlichung. Das untere Bild war vermutlich auch schon nach 5-7 Tagen in der Bildersuche zu finden, aber nicht, wenn man nach #seoriff gesucht hat! Die Verbindung zu #seoriff war erst nach 12 Tagen zu sehen.

google_image_search_twitter_profileOffensichtlich hat das Crawlen des Profils dazu geführt, dass Google das untere Bild mit dem Begriff #seoriff verknüpft hat. Beide Post erfolgten in dem Profil hintereinander. In der Bildersuche zu #seoriff kann man einige Bilder finden, die zeitlich vor dem Tweet zu #seoriff gemacht wurden.

Ganz offensichtlich wurden alle Bilder, die zum Zeitpunkt des Parsens des Profils erfasst wurden mit dem Begriff #seoriff verknüpft. Klar zu erkennen ist, dass die Bilder in der Reihenfolge in der Bildersuche erscheinen, wie sie auch im Profil zu sehen sind: Das Bild zum #seoriff Tweet ist in der Ergebnissen am weitesten vorne, die anderen folgen der dahinter. Allerdings nicht die Bilder, die im Profil durch scrollen sichtbar werden.

Links im Bild kann man die Bilder des Profils sehen, die Google mit #seoriff verknüpft hat. Scrollt man im Profil weiter, kommen viele weitere Bilder. Dieses “infinite scroll” ist bekanntlich ein SEO Thema und problematisch. Google schlägt hierzu eine Lösung mittels einer Paginierung vor, wie Google in einem Blogartikel genau beschreibt.

Twitter setzt diese Lösung aber nicht ein und so werden nur die Bilder eines Profils erfasst, die ohne “infinite scroll” zu sehen sind. Bleibt die Frage was passiert, wenn weitere Posts in ein Profil einfließen und bereits erfasste Bilder von der Profilseite nach hinten rutschen. Hier kann man erwarten, dass Bilder von Tweets, die ausreichend verlinkt sind, auch in der Bildersuche bleiben. Die Zuordnung zu anderen Begriffen wie in diesem Fall wird dann aber vermutlich wieder verschwinden.

Es wird sich zeigen, ob die Bildersuche zu #seoriff nach einiger Zeit wieder weniger Bilder enthält oder zumindest einige Bilder wieder verschwinden, die nicht mehr auf der Profilseite gecrawlt werden.

Das Phänomen zeigt sich bei mehreren Profilen und ist also reproduzierbar.

Interessant ist auch: Sucht man in der Bildersuche nach “Dauergrinse-Wettbewerb”, ist nur ein Bild aus dem Profil zu finden (zweiter roter Pfeil von oben). Hier scheinen nur die Begriffe des Tweets selbst einem Bild zugeordnet zu werden (in dem Bild oben ist es der untere Tweet der das Bild zeigt und den Begriff “Dauergrinse-Wettbewerb” beinhaltet. Tags werden offensichtlich anders verarbeitet, als Begriffe. Für Bilder kann man zumindest sagen, dass diese allen Bilder auf einer Seite zugeordnet werden, Begriffe hingegen nicht. Allerdings muss man hier einschränken, dass es sich um twitter.com handelt, zudem haben alle Bilder von Posts keine ALT-Texte. Es lässt sich also sicher nicht auf alle Seiten übertragen.

Google Alert

Etwas erstaunlich ist die Tatsache, dass Google Alert bisher keine einzige Meldung weder zu „seoriff“ noch zu „#seoriff“ gesendet hat. Auch nach nochmaliger Überprüfung ist kein Fehler im Google Alert Profil zu erkennen. Beide Begriffe wurden vor dem Experiment in ein Google Alert Profil eingetragen. Und obwohl es zu den Suchbegriffen nachweislich neue Ergebnisse gab, hat Google Alert dies nicht gemeldet. Möglicherweise sind Begriffe, die nicht gesucht werden, keine Meldung wert? 

Selbst Google Instant liefert jede Menge Hinweise darauf, dass andere auch schon Probleme mit Google Alert haben:

Google Instant Google Alert


Seit dem Experiment kommen mir auch Zweifel, wie gut und vollständig Google Alert arbeitet. Denn laut der Hilfe meldet Google jede Änderung. Und nach dem ich von dem gleichen Account auch weiterhin Emails zu anderen Begriffen erhalte, kann man ein technisches Problem mit den Emails ausschließen.

Google Trends

Auch Google Trends haben wir laufend geprüft, es gab aber auch dort kein einziges Suchvolumen zu dem Begriff “seoriff” und auch nicht zu “#seoriff”. Die geringe Zahl an Suchvorgängen ist ier also nicht zu sehen. Auch hier bleibt abzuwarten, ob sich das noch ändert.

Fazit

Sucht man heute nach „seoriff“, ist zumindest die erste Suchergebnisseite wie vor dem Experiment. Das verwundert, wenn man bedenkt, dass die Suchergebnisse von trend247.net deutlich aktueller sind, als die bereits vorhandenen Ergebnisse. Aktualität spielt hier offensichtlich  keine Rolle.

Sucht man nach „#seoriff“, kann man prinzipiell alle Treffer zu dem Tag in der Suche heute finden. Die Zahl der Suchergebnisse für „seoriff“ steigt seit dem Experiment kontinuierlich und langsam an. Es sind also Spuren zu erkennen, aber nicht spürbar zu sehen. Mit einer so kleinen Aktion lassen sich die Suchergebnisse also nicht nachhaltig beeinflussen. Das war allerdings nicht unbedingt zu erwarten. Man wird sehen, wie es sich weiter entwickelt. Durch diesen Artikel und dessen Verbreitung kann sich hier natürlich noch etwas ändern.

Damit ein Tweet selbst in den Suchergebnissen erscheint, sind mehr Retweets erforderlich bzw. muss der Tag dann auch im mehr Tweets auftauchen. Zwar konnte man sehen, dass Google die Tweets erfasst hat, sie wurden aber wegen zu geringer Bedeutung nicht ausgegeben.

Die Unterschiede zwischen mobiler Suche und der Desktop-Suche treten hier klar hervor. Dabei ist der Unterschied viel deutlicher innerhalb eines kurzen Zeitfensters von etwa einer Stunde. Es ist allerdings auch jetzt zu beobachten, dass die Suchergebnisse sich zwischen der mobilen Suche und der Desktop-Suche unterscheiden. Hier spielt offensichtlich das Thema mobile friendly eine Rolle. Dies erkennt man sowohl in der Suche nach „seoriff“ als auch nach „#seoriff“. Die großen Unterschiede in der ersten Stunde lassen sich damit aber nicht erklären. Daher ist zu vermuten, dass in der mobilen Suche die Aktualität eine andere Rolle spielt, als in der Desktop-Suche.

Eines ist klar: Signifikante Änderungen in den Suchergebnissen lassen sich durch ein paar Tweets nicht erzielen. Dies war aber wohl auch schon vorher klar. Dies gelingt nur durch weitere Maßnahmen, Twitter ist nur ein mobiler Kanal, den man zur Verbreitung nutzen kann. Änderungen erzielt man nur durch andere Websites, die die Tweets wiedergeben.

Dass “infinite scroll” ein Problem ist, zeigt Twitter eindrucksvoll. Ob Twitter hier etwas ändern wird, ist fraglich. Allerdings könnten die Bilder durchaus in der Menge den Traffic auf Twitter erhöhen. Dass Twitter in Sachen SEO viel Potenzial hat, hat sich bereits in der Mobile Friendly Studie gezeigt, denn Twitter hat auch hier zahlreiche Fehler offenbart.

Ich hoffe, das Experiment hat einige Erkenntnisse gebracht. Wir werden die Ergebnisse weiter verfolgen und hier Updates eintragen, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Feedback ist natürlich jederzeit willkommen. Vielleicht gibt es noch andere Auswertungen, die man zu diesem kleinen Experiment machen kann!

Über Thomas Kaiser

Dipl.-Ing. Thomas Kaiser, Gründer und Geschäftsführer der 1997 gegründeten cyberpromote GmbH, gründete bereits mit 23 Jahren sein erstes Unternehmen. Am Lehrstuhl für Datenverarbeitung entwickelte er 1996 den ersten MPEG-2 Videokodierer für Windows. Er entwickelte unter anderem die Software "RankIt!!", die erste Software zur Suchmaschinenoptimierung im deutschen Markt. Thomas Kaiser hielt zahlreiche Vorträge auf Fachkonferenzen, schrieb zahlreiche Fachartikel und 2 Bücher zum Thema SEO und Google Analytics.

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