Google verstößt gegen eigene Empfehlungen

Am 04.09.2015 wird Google ganze 17 Jahre alt. Wir gratulieren und nutzen die Gunst der Stunde für einen etwas anderen SEO-Check: Hält sich Google kurz vor der Volljährigkeit eigentlich selbst an die eigenen Richtlinien?

Google stellt hohe Anforderungen an alle Website-Betreiber und fordert für gute Platzierungen in den eigenen Suchergebnissen die Beachtung der aufgestellten Handlungsempfehlungen. Doch wie schneidet Google hier selbst ab? Würde Google die eigenen Qualitätsanforderungen erfüllen? Erste Zweifel kommen auf, wenn man sich die folgende Google-Stellenausschreibung betrachtet: Der Suchmaschinenbetreiber ist auf der Suche nach einem Suchmaschinenoptimierer.

Wir haben uns google.de mit unserer Analyse-Software Forecheck genauer angesehen und sind – soviel vorab – zu einem überraschenden Ergebnis gekommen …  

Zunächst werfen wir einen Blick auf eine Schnellanalyse von google.de mittels Forecheck von knapp 20.000 Seiten. Die zahlreichen Fehler und Probleme lassen nichts Gutes vermuten.

Forecheck Analyse von google.de

Auf den ersten Blick erkennt man sofort ein paar böse SEO Probleme.
google-robots-css
So blockt Google eine Menge Seiten per robots.txt (was nachvollziehbar ist), aber auch CSS Dateien. Diese sind für die Subdomain books.google.de. Doch eigentlich predigt Google schon seit Jahren, man soll CSS- und JS-Dateien nicht blocken. Doch es gibt noch viel mehr zu entdecken.

Ohne Seitentitel

Der Titel einer HTML-Seite zählt zu den wichtigsten semantischen Elementen. Google selbst hat diesen zwar weitestgehend im Einsatz, es gibt dennoch ein paar Seiten, die auf dieses Standard-Element verzichten. Dazu zählen bspw. diese hier:

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Zu lange Seitentitel

Die Seitentitel sollten von ihrer Länge her nicht zu episch ausformuliert werden. Insbesondere im Shopping-Bereich kommen bei Google aber gerne mal weit mehr als 100 Zeichen zusammen. Im folgenden Beispiel haben wir eine Zeichenanzahl von über 150 gemessen:

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Doppelte Seitentitel

Eigentlich sollte jede Seite einen individuellen Titel erhalten. Doppelte Titel sollte es also nicht geben. Vertretbar wäre es hingegen, wenn doppelt angelegte Seiten mit gleichem Titel durch eine Canonical-Implementierung entkräftet werden würden. Bei Google lassen sich allerdings eine Vielzahl an HTML-Dokumenten mit identischem Seitentitel finden, die in keiner Weise auf eine saubere Konfiguration achten, wie bspw. diese hier:

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Mehrfache h1-Deklaration

Neben dem Seitentitel zählt auch die Überschrift erster Ordnung <h1> zu den für die Suchmaschine relevanten Elementen. Diese darf innerhalb eines Dokumentes nur ein einziges Mal definiert werden. Bei google.de lassen sich viele Dokumente finden, bei denen die Überschrift mehrfach deklariert wurde:

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Identische h1-Deklarationen

Auch bei der <h1> sollte man sich um eine domainweit einmalige Implementierung bemühen. Dies ist Google an unzählig vielen Stellen ebenfalls nicht gelungen:

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Doppelte Beschreibungstexte

In dem meisten Fällen nutzt Google die Beschreibungstexte (“Description”) eines HTML-Dokumentes für die Snippet-Aufbereitung in den Suchergebnissen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass diese ebenso einmalig formuliert werden und einen konkreten Hinweis auf die Inhalte der Zielseite geben. In Kombination mit einer fehlerhaften Canonical-Implementierung führt das – bei Google – eigentlich so einer problematischen Indexierungssituation:

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Zu lange Beschreibungstexte

Die Länge der Beschreibungstexte ist durch die Platzlimitierungen in den Suchergebnissen natürlich beschränkt. Deutlich mehr als 200 Zeichen sind für eine inhaltliche Zusammenfassung an dieser Stelle nicht mehr wirklich zu empfehlen. Bei Google konnten wir vereinzelt mehr als 1.600 Zeichen finden:

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Zu kurze Beschreibungstexte

Es geht aber auch anders herum: Teilweise wählte Google deutlich zu kurze Beschreibungstexte:

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Serverseitige Redirects

Auch Weiterleitungen sind bei einer Suchmaschinenoptimierung nach wie vor ein Thema: Prinzipiell sollten keine temporären, sondern permanente Weiterleitungen eingerichtet werden. Außerdem sollte auf mehrfach hintereinander geschaltete Weiterleitungen (Redirect-Ketten) verzichtet werden.

Bei google.de lässt sich beides problemlos aufspüren. Im folgenden Beispiel leitet der Aufruf der ersten URL mittels einer temporären Weiterleitung (302) zur zweiten, die dann nochmals einer temporären Weiterleitung zur dritten, und dann zum eigentlichen Zieladresse führt:

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Clientseitige Redirects

Auch clientseitig – also im Browser – werden Meta-Refresh-Redirects verwendet, die bei einer Verzögerungszeit von 0 Sekunden (also unmittelbar) von Google eigentlich als manipulative Technik eingestuft werden, da es so möglich wäre, Nutzer und Suchmaschine unterschiedliche Inhalte anzubieten:

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Verschlüsselte Übertragung

Google empfiehlt die durchgehende Verschlüsselung von Websites über SSL (Secure Sockets Layer, “https”). An einigen Stellen, primär aber im Shopping-Bereich, hält sich Google selbst allerdings noch nicht an diese Vorgabe:

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Fazit

Ganz klar: Wofür sollte sich Google an Vorgaben halten? Um in den Suchmaschinen gute Platzierungen zu erzielen? Sicher nicht. Allerdings verspielt Google jede Möglichkeit hier als Vorbild und glaubwürdig aufzutreten. Die eigenen Regeln zu missachten, diese aber von anderen abzuverlangen … das hinterlässt einen merkwürdigen Nachgeschmack. Dabei haben wir in diesem Artikel nur an der Oberfläche gekratzt und ein paar typische Grundlagen abgefragt.

Dass Google einen SEO Experten sucht, ist sehr vernünftig und macht Sinn, angesichts der so schlechten Ergebnisse.

Aber vielleicht haben wir Glück und Google präsentiert sich dann zum 18. Geburtstag so erwachsen und hält sich an eigenes Regelwerk. Der Glaubwürdigkeit würde es jedenfalls nicht schaden. 

3 Antworten auf Google verstößt gegen eigene Empfehlungen

  1. Tim Tics sagt:

    Insegsamt, sehe ich das genauso.
    Man kann wohl davon ausgehen, dass diese Potenziale auch Google erkannt haben und eben, u.a. deswegen, einen SEO sucht. Außerdem kommen immer mehr Projekte bei denen hervor, welche es zu managen gilt.
    Davon mal abgesehen macht das Google aber schon seit jeher, dass sie unvorbildlich handeln. Selbst haben sie was dagegen, wenn man ihre Seite scrappt, aber für ihr Kerngeschäft machen sie es selber und stellen auch noch Ansprüche.
    Es ist halt ein großer Vorteil, wenn man eine derartige Marktmacht hat.

    Bei “mehrfachen h1-Deklaration” wäre ich allerdings vorsichtig. Zwar scheint das hier korrekt beurteilt zu sein (da nur div-Tags als Wrapper genutzt werden), aber prinzipell ist es von W3 für HTML5 semantisch korrekt, wenn diese z.B. eine Section einleitet. S.a.: http://www.w3.org/TR/html5/sections.html#the-h1,-h2,-h3,-h4,-h5,-and-h6-elements

  2. Sybille Berger sagt:

    Das ist doch schon lange kein Geheimnis mehr :-)
    Googles Richtlinien, die Webmastertools, offizielle Verlautbarungen auf Konferenzen oder in blogs, inoffizielle Verlautbarungen in Nebensätzen dienen nur einem Zweck, der Schaffung eines srukturierten Internets um Daten besser erfassen zu können. Natürlich schlägt es sich auch in der Stromrechnung nieder ob eine Seitenanfrage in 1,5 sec lädt oder in 8.

    Wie in allen anderen Unternehmen der Welt gibt es Hirarchien. Zum Vergleich die Zeitungsbranche. Bei SPIEGEL online wird seit einigen Monaten ein SEO beschäftigt, der den Schreibern und “old fashioned” Programmieren erklärt wie eine Seitenstuktur etc. auszusehen hat.
    Bei Google sitzen eben auch noch “old fashioned” Programmierer die zwar tolle Effekte programmieren können, auf Grund ihres hohen Gehaltes aber sehr schwerfällig sind sich neuen Anforderungen zu stellen. Das Argument “Schließlich habe ich Informatik studiert und nicht Du, also erzähl mir nichts!” habe ich sehr oft hören müssen.
    Die Stellenausschreibung für einen SEO mit Bergsicht :-) ist vielleicht ein kleiner Hinweis darauf, daß die Hirarchien funktionieren und Google erkannt hat, daß sie ihre Außendarstellung verändern müssen. Mit einem neuen Logo haben sie ja nun eine neue Richtung eingeschlagen.

  3. Pingback: Top 10 der Woche 37/15 - SEO-united.de Blog

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