Generation Google will nicht für Nachrichten bezahlen

Der Google-Fachtag am 18. November 2009 vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV in Berlin zeigte deutlich die Probleme der Zeitungsverleger. „Freund oder Feind“ war eine der Fragen, die klären sollten, ob Google eine Gefahr oder ein Verbündeter ist. Der Vorwurf:  Google profitiert von den Nachrichten, da diese sowohl die Suchergebnisse als auch die Inhalte der Google News füllen, ohne dass Google dafür bezahlt.

Google News bald zahlungspflichtig?
Abb: Werden Google News irgendwann zahlungspflichtig?

Internationale Front

Dies ist kein typisch deutsches Problem, denn auch international wird sogar gegen Google geklagt. Rupert Murdoch will deswegen die Reißleine ziehen und die eigenen Zeitungsportale weltweit aus Google entfernen. Der „Microdoch“ Deal zwischen Microsoft und Rupert Murdoch, der eine exklusive Nutzung der Inhalte durch Microsoft vorsieht, soll mehr Geld bringen. Google wird der Deal wohl nicht schaden. Bleibt die Frage, ob Murdochs Medien den Verlust an Besuchern verkraften können.

News-4-Cash-Konzept

Es bleibt generell fraglich, ob es gelingen wird, Menschen für das Lesen von Nachrichten zur Kasse zu  bitten, der Wettbewerb ist schließlich gleich nebenan. Doch die Verlage wollen noch weiter gehen. Sie planen ein 1-Klick Verfahren in den Google Suchergebnissen zu etablieren. Jeder Klick auf ein Ergebnis kostet dann Geld, und der Preis wird gleich neben dem Link angezeigt. Google hat mit Checkout die Technologie dafür. Das „Automated Content Access Protocol“, kurz ACAP, stellt das notwendige Protokoll dafür zur Verfügung.

Für Google wäre es natürlich ein interessantes Geschäftsmodell, wenn Google einen Löwenanteil der Kosten für sich behalten darf. Darüber dürfte dann sicher prächtig gestritten werden. Verständlich, die Kasse muss klingeln. Es darf aber daran gezweifelt werden, ob sich ein solches Micro-Payment Verfahren für Inhalte durchsetzen wird. Klar – Google hat die Marktmacht und die Technologie. Wenn, dann wird Google ein solches Verfahren sicher auf breiterer Basis etablieren wollen. Schließlich gibt es neben Nachrichten noch eine Menge andere elektronische Produkte, die man verkaufen kann. Fraglich ist auch die Akzeptanz, schließlich würde Google einen Preis neben den Suchergebnissen nur dann einführen, wenn die Suchenden das zumindest in einem gewissen Rahmen akzeptieren würden. Ich persönlich glaube aber, dass Suchende das eher abschrecken wird. Zu sehr haftet in den Köpfen der Suchenden, dass die kostenlose Alternative gleich daneben wartet. Anders sie es bei Musik oder Software aus, hier ist ein Markt bereits vorhanden. Und Google braucht neben AdWords ja noch eine andere Einnahmequelle, denn bisher hat Google kein zweites Produkt, das nur annähernd so viel Erfolg hat wie AdWords.

User generated Content

Verstehen kann man die Verlage, wenn man sieht, wie leicht andere Portale Geld verdienen, ohne selbst Inhalte zu schreiben. So lebt beispielsweise die Website www.gutefrage.net von den Inhalten der Nutzer, die diese einstellen und beantworten.

gutefrage.net
Abb: Darum ist Web 2.0 so sexy: Die Nutzer machen die Inhalte für lau

Die Werbung wird hier kontextrelevant geschaltet und dürfte für gute Einnahmen sorgen. Von solchen Modellen sind die großen, Reichweiten-starken Nachrichtenportale weit entfernt. Betrachtet man sich dort die Werbung, erhält man die „üblichen Verdächtigen“ wie Krankenversicherung (ich kann es nicht mehr sehen), Autos (hab schon eins) und Handytarife (hab schon zwei).

Fettnäpfchen

Mal ehrlich: Hier müssen die Verlage kreativer werden. Im Bereich des Contents sind sie erstklassig: Gute Inhalte, witzige Cartoons, tolle Reportagen, alles was mich immer wieder dort hingehen lässt. Ich bin auch kein Feind von Werbung. Jeder weiß, dass die notwendig ist. Doch dann darf Sie ruhig kontextbezogen sein. Dabei darf man natürlich nicht über die Strenge schlagen. So greift auch die Google AdSende Werbung mal massiv ins Fettnäpfchen.

bild.de

Abb: Google AdSense Werbung zum Thema Haarausfall passt irgendwie und ist dennoch geschmacklos …

Dieser Artikel wurde verfasst am 27.11.09 um 10:32 Uhr und in der Kategorie SEO abgelegt. Sie können jedem Kommentar zu diesem Artikel über RSS folgen. Sie können unten einen Kommentar hinterlassen, einen Trackback einrichten.
Autor:

Thomas Kaiser ist Gründer und Geschäftsführer der cyberpromote GmbH, gern gesehener Speaker auf verschiedenen Fachkonferenzen und Autor des Buches Top-Platzierungen bei Google & Co.

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